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Eine frei verwendbare Unix-Grundlagenschulung mit muLinux

Das Internet

Die vielleicht größte Datenbank, Anschlagtafel, Online-Dienst, Postnetz oder Netzwerk der Welt

Wir haben uns mit den Grundprinzipien von Netzwerken beschäftigt. Nun wenden wir uns dem größten Netzwerk zu, dem Internet. Wir haben schon einige im Internet verwendete Protokolle der unteren Netzwerkschichten kennengelernt. Wir wollen uns hier einen Überblick über die Anwendungsmöglichkeiten des Internets verschaffen.

Die Informationen im Internet sind vielfältig und extrem unterschiedlich, da auch ganz spezielle Wissensgebiete, Lebensbereiche oder Hobbys berücksichtigt werden. Da dieses Angebot in seiner Gesamtheit weder geplant noch zentral katalogisiert wird, ist es etwas unübersichtlich.

Anders als das Fernsehen ist das Internet ein interaktives Medium. Jeder Internet-Nutzer ist nicht zwangsläufig nur Konsument, sondern kann auch als "Produzent" auftreten. Wer mag, kann die Vielzahl der Angebote im Internet durch eigene Werke ergänzen. Linux wäre ohne das Internet sicherlich nicht entstanden.

Überhaupt ist das Internet eng mit Unix verknüpft. Die meisten Computer, die im Internet Dienste servieren (Server), basieren auf einen Unix-Betriebssystem. Linux spielt dabei eine große Rolle.

Geschichte

oder Am Anfang war die Angst

Die Vermutung liegt nahe, das das Internet sei ein Ergebnis umfangreicher Planungen und Entwürfe. Weit gefehlt. Tatsächlich wurde das Internet nicht am Reißbrett erfunden, geschweige denn hat man die heutige weltweite Verbreitung vorhergesehen. Wie der folgende kurze Ausflug in die Vergangenheit zeigt, liegt der Ursprung des Internet in den Vereinigten Staaten der 60er Jahre.

Die technologische Grundlage für das Ur-Internet bildet das ARPAnet. Die Advanced Research Projekt Agency (ARPA) ist eine Behörde des Verteidigungsministeriums der USA. Ziel war es einerseits ausfallsichere Datenverbindungen für die Armee bereitzustellen und andererseits einige Universitäten zu Forschungszwecken miteinander zu verbinden.

Aus diesem ARPAnet entstand das Internet Protokoll (IP). Anfang der 80er Jahre wurde der militärische Teil MILNET aus dem ARPAnet ausgegliedert. Der verbleibende "Rest" wurde den Universitäten zur Nutzung übergeben.

Eine andere Behörde der US-Regierung die National Science Foundation (NSF) erteilte Ende der 80er Jahre den Auftrag folgende sechs Rechenzentren miteinander zu verbinden: nationales Rechenzentrum der Cornell Universität wissenschaftliche Rechenabteilung des nationalen Zentrums für Atmosphärenforschung in Boulder, Colorado Rechenzentrum der Universität von Kalifornien in San Diego nationales Zentrum für Großrechneranwendungen an der Universität von Illinois nationales John von Neumann Rechenzentrum in Princeton, New Jersey Rechenzentrum in Pittsburgh (Westinghouse Electric Corp., Carnegie Mellon Universität und Universität von Pittsburgh)

Das NSFnet war in erster Linie für Forschungszwecke gegründet worden. Dabei kam das vom ARPAnet entwickelte IP (Internet Protokoll) zum Einsatz. Die kommerzielle Nutzung war in erster Zeit sehr umstritten. Doch jetzt, wo die Unterstützung der US-Regierung ausgelaufen ist, können kommerzielle und nichtkommerzielle Dienste auf dem Netz gemeinsam betrieben werden. Was mit der Vernetzung von 6 großen Rechenzentren in den USA begann hat jetzt einen Umfang von ca. 50 Ländern, mehr als 3 Millionen Hostrechnern und 15 bis 40 Millionen Nutzern erreicht. Das Internet ist ein sich ständig weiterentwickelnder Verbund von Computern und Netzwerken.

Dienste

Dienste werden von Server-Rechnern angeboten. Der Anwender verwendet Client-Software (client, engl. für Kunde) um diese Dienste zu nutzen. Linux verfügt, wie alle Unix-Varianten, über Server als auch Client-Software. Auch muLinux verfügt über diese Möglichkeiten. Diese sind natürlich etwas eingeschränkter.

Diese Zeichnung stellt zwei Dienste dar. Zum Beispiel können das Email und WWW sein.

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.   |              |   . Port        Port .   |               |  .
.   |    Client    |------------------------->|     Server    |  .
.   |              |<-------------------------|               |  .
.   |______________|   .                  .   |               |  .
.                      .                  .   |_______________|  .
.                      .                  .                      .
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.   |              |   .                  .   |               |  .
.   |              |   . Port        Port .   |               |  .
.   |    Client    |------------------------->|     Server    |  .
.   |              |<-------------------------|               |  .
.   |______________|   .                  .   |               |  .
.                      .                  .   |_______________|  .
.                      .                  .                      .
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                             Netzwerk
     Client-Rechner          Internet          Server-Rechner

E-Mail

Der E-Mail-Dienst, auch elektronische Post genannt, stellt einen der am meisten genutzten Dienste dar. Mit diesem Dienst ist es möglich Nachrichten über das Internet auszutauschen. Wo ein gewöhnlicher Brief Tage benötigt, da braucht eine E-Mail nur Minuten bis zu ihrem Empfänger. An E-Mails können beliebige Dateien angehangen werden (attach, engl. für anhängen). Ein sehr einfacher Email-Client unter Unix ist mail.

/# mail

Die muLinux-Version weicht in der Bedienung etwas vom Unix-Standard ab. Verlassen wird das muLinux-Email-Programm aber auch mit q. Eigentlich heißt dieser Client rna. Es gibt unter Linux eine Reihe von Email Programmen. So z. B. das sehr leistungsfähige Programm mutt. Zum Versenden von Mail das SMTP-Protokoll (Simple Mail Transfer Protokoll). Wir kontrollieren ob dieser Service unterstützt wird:

/# cat /etc/services | grep smtp
smtp     25/tcp     mail
/# _

SMTP wird also über das Port 25 angesprochen. Zum Empfangen von Email dient entweder das Protokoll POP3 (Post Office Protokoll) oder das neuere IMAP.

/# cat /etc/services | grep pop-3
pop-3    110/tcp                # PostOffice V.3
/# _

Usenet, Newsgroups

Usenet ist der Sammelbegriff für die Newsgroups genannten Internet-Foren. Newsgroups sind wie schwarze Bretter: Jeder kann mitlesen oder oder eine Nachricht hinterlassen. Häufig werden auch Dateien per Newsgroups übertragen - mit denselben Mechanismen wie beim Datei-Anhang zu E-Mails.

/# news

Über einen Link wird wie bei mail das Programm rna aufgerufen. Diese Programm ist also Mail- und News-Client. Mit m kann zwischen beiden Modi gewechselt werden. Das Protokoll heißt hier NNTP (Network News Transport Protocoll).

/# cat /etc/services | grep nntp
nntp     119/tcp     usenet        # Network News Transfer
/# _

FTP

Das File Transfer Protocoll ermöglicht es, über das Internet, Dateien (engl. files) auf den eigenen Computer bzw. in das Internet hinein zu bringen.

/# ftp

Als FTP-Client dient hier der schon bekannte Dateimanager pion. ftp ist also hier ein Link auf pion. Wie wir wissen wird dieser auch mit q beendet.

/# cat /etc/services | grep ftp
ftp-data     20/tcp
ftp          21/tcp
tftp         69/tcp
sftp        115/tcp
/# _

SFTP (Simple File Tranfer Protocol) und TFTP (Trivial File Transfer Protocol) sind vereinfachte und unsichere Dateiübertragungsprotokolle. Das "richtige" FTP kommuniziert über die Ports 20 (Daten) und 21.

Gopher

Ist der Vorgänger des WWW. Gopher war der erste vernünftige Ansatz Daten im Internet zu sortieren und zugänglich zu machen. Der Anwender wählt sich per Menüs durch die Baumstruktur dieses, heute nur noch von Universitäten verwendetes, Protokoll. Im Gegensatz zum WWW ist Gopher streng hierarchisch gegliedert und immer übersichtlich. Ein Client unter Linux ist xgopher. Normalerweise unterstützen aber WWW-Browser auch Gopher. Gopher kommuniziert über Port 70.

WWW

Das World Wide Web stellt im Augenblick den Dienst dar, welcher in der Öffentlichkeit am bekanntesten ist. Ursprünglich wurde es geschaffen, um in den Universitäten und Fachschulen wissenschaftliche Ergebnisse zu veröffentlichen. Dabei ging es auch darum schnell Zugriff auf artverwandte Informationen zu erlagen. Diese Verknüpfung der Informationen sowie die vor einigen Jahren geschaffenen grafischen Benutzeroberflächen haben den nahezu unglaublichen Siegeszug des WWW und damit des Internet eingeläutet.

Die bekanntesten WWW-Browser sind Netscape, MSI-Explorer und Opera. Weniger bekannt ist lynx, ein schneller, textbasierter Browser. lynx wird gibt es für unterschiedliche Betriebsysteme. In älteren muLinux-Versionen gehörte lynx dazu. Dem Entwickler von muLinux war dieser Browser zu groß. Michele Andreoli programmiert wohl alles kurz und klein. Er erschuf quark.

/# quark

Das Protokoll heißt hier HTTP (Hypertext Transfer Protocol) und kommuniziert über Port 80:

/# cat /etc/services | grep www
www      80/tcp      http      # WorldWideWeb HHTP
www      80/udp                # HyperText Transfer Protocol
/# _

IRC

Wer gerne mit anderen Leuten plaudern (engl. chat) will kann dies auch im Internet tun. Dazu dient das Internet Relay Chat. Man findet sich in den Gesprächsrunden (Channels) ein und gibt sich einen Spitznamen (nickname). Keiner weiß wer der andere ist und man kann sich eine neue Identität geben. Wer das chatten übertreibt vergißt eventuell seine richtige Identität.

/# irc
...

Der Client heißt hier TinyIRC. Port 6667

/# cat /etc/services | grep irc
irc       6667/tcp         # Internet Relay Chat
/# _

Telnet

Um sich über das Netzwerk in einen anderen Unix-Rechner einzuloggen dient Telnet. Nach Angabe seines Nutzernamens und des Paßwortes kann man mit der Kommandozeile arbeiten als säße man direkt an diesem Computer. muLinux kann hier sowohl Server als auch Client sein. Man kann sich also von einem anderen Rechner in seinem muLinux-Rechner einloggen.

/# telnet hostname
...

Normalerweise arbeitet Telnet mit dem Port 23.

/# cat /etc/services | grep telnet
telnet       23/tcp
/# _
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