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Eine frei verwendbare Unix-Grundlagenschulung mit muLinux

Allgemeines

Was ist Unix?

Unix galt bisher als elitäres System, das nicht für den Allerweltsnutzer entwickelt wurde. Die für den Unix-Einsatz erforderliche Hardware hatte bis vor wenigen Jahren noch einen erheblichen Preis. Wer sich ein derartiges System leisten konnte, der hatte auch noch die Mittel für einen DV-Spezialisten und dessen Qualifizierung. Heute sind die Verhältnisse anders. Die Zahl der potentiellen Nutzer von Unix steigt deutlich an. Das Dilemma ist vorprogrammiert: Unix überschreitet die Grenze zwischen Spezialisten und Anwendern.

Geschichtliches

Unix entstand aus dem Wunsch heraus, ein möglichst hardwareunabhängiges und universelles Betriebsystem zu haben. Ende der siebziger Jahre war die erste Standard-Version verfügbar. Weiterentwicklungen führten dann zur Version III, die Anfang der 80er Jahre unter anderem als Grundlage für erste Mikrorechnerportierungen diente.

Urheber von Unix sind die Bell-Laboratorien. Nach einer Anlaufphase, in der Unix vor allem an Hochschulen und Universitäten genutzt wurde, setzte später das Interesse anderer Hard- und Softwarehersteller ein.

Die Weiterentwicklung und Pflege von Unix lag damit nicht mehr nur in einer Hand, da nun die Portierung auf die unterschiedlichste Hardware erfolgte. Entsprechend den Lizenzbedingungen des Urhebers durften diese Produkte jedoch nicht unter dem Namen Unix sondern nur unter meist ähnlich klingenden Namen in Umlauf gebracht werden (Xenix, Venix, SunOS, Solaris, BSD, NextStep, usw.).

Unix ist ein Multitasking-System. Das heißt, mehrere Programme (in Unix Prozesse genannt) können scheinbar gleichzeitig abgearbeitet werden. Außerdem ist Unix normalerweise Multiuserfähig. Es können also mehrere Nutzer gleichzeitig am System arbeiten. Bevor ein Nutzer Zugang zum System erhält, muß er sich durch seinen Namen und ein Paßwort identifizieren.

Nach dem Einloggen befindet sich der Nutzer in einem eigens für ihn angelegten Verzeichnis. Jeder Nutzer hat bestimmte Zugriffsrechte, kann also eventuell nur eine eingeschränkte Anzahl von Kommandos aufrufen und bestimmte Dateien und Verzeichnisse nicht benutzen. Dies dient zur Datensicherheit, da ja Unix ein Mehrnutzersystem ist.

Der Superuser

Nur ein Nutzer, der Superuser, hat unbegrenzten Zugriff auf das System. Nur er kann bestimmte Kommandos zur Systemverwaltung aufrufen, neue Nutzer ins System aufnehmen usw. Der Login-Name des Superusers ist root. Der Superuser hat spezielle Rechte, die weit über die der anderen Nutzer hinausgehen. Zahlreiche Kommandos dürfen nur vom Superuser ausgeführt werden. Er kann sich über die verschiedenen Schutzmechanismen des Systems hinwegsetzen.

Ein Superuser muß, wenn er seiner Aufgabe wirklich gerecht werden will, über erheblich mehr Kenntnisse verfügen als die anderen Nutzer. Wer auf seinem PC Unix nutzen möchten, muß damit zwangsläufig auch die Aufgaben eines Superusers erfüllen.

So lange man noch keine fundierten Kenntnisse über das System besitzen, sollten man der Versuchung widerstehen, Kommandos auszuführen, die nicht unmittelbar zum Hoch- und Herunterfahren des Systems notwendig sind.

Man sollte sich nur als Superuser in das System einloggen, wenn wirklich Aufgaben zur Systemverwaltung und -pflege erfüllt werden müssen.

Was ist Linux?

Linux ist eine Unix-Version. Besser gesagt: Linux ist ein nach programmiertes Unix. Der Unterschied zwischen Linux und den meisten Betriebsystemen ist jedoch, daß Linux frei verfügbar ist.

Jeder darf Linux frei verwenden, es werden keine Lizenzgebühren fällig.

Möglich macht dies die GNU General Public License (GPL). Diese sieht auch vor, daß der Quellcode der Programme frei verfügbar ist. So können Programmierer auf der ganzen Welt Schwachstellen und Bugs entdecken und beseitigen. Linux und die zahlreichen Anwendungsprogramme laufen daher oft stabiler als kommerzielle Produkte. Außerdem können so keine "versteckten Funktionen" in die Software eingebaut werden.

Stärken besitzt Linux vor allem als Server-Betriebsystem. Zunehmend gewinnt es Punkte im Desktopbereich, da es eine sehr kostengünstige Variante ist, den Heim-PC in eine leistungsfähige Unix-Workstation zu verwandeln.

Weitere freie Unix-Versionen sind FreeBSD (http://www.freebsd.org), OpenBSD (http://www.openbsd.org) und NetBSD (http://www.netbsd.org). Im Gegensatz zu Linux basieren diese auf ursprünglich komerziellen Unix-Versionen und wurden erst später als Open Source deklariert. Die BSD-Versionen werden meist im Serverbereich eingesetzt.

Weitere im privaten Bereich frei verwendbare Unix-Versionen sind unter anderem Solaris (http://www.sun.com) und QNX (http://www.qnx.com).

Die Geschichte von Linux und Open Source Projekten

1991
August: Linus Torvalds programmiert ein Betriebsystem-Fragment, verkündet das in Newsgroups.
Linus brauchte als Student ein ordentliches Betriebssystem. Da er sich keine Spark-Workstation leisten konnte, schrieb er sein eigenes Betriebssystem. 3 Monate später: Einige Programmierer schicken ihre Bugfixes an Torvalds zurück.
1992
Linux läuft auf Intel-x86-Prozessoren. Grafische Benutzeroberfläche angepaßt.
1.000 Anwender.
1993
Über 100 Programmierer schreiben inzwischen Code für Linux. Fünf Programmierer, die Torvalds ausgesucht hat, kümmern sich um die Weiterentwicklung der Software.
20.000 Anwender.
1994
Linux wird Netzwerkfähig.
100.000 Anwender.
1995
Läuft auf Prozessoren von Intel Digital und Sun Sparc. Linux Journal mit Auflage von 10.000 gegründet.
500.000 Anwender.
1996
Linux Version 2.0 steuert mehrere Prozessoren gleichzeitig an.
1,5 Millionen Anwender.
1997
Aktualisierte Linux-Versionen erscheinen wöchentlich. Linux-Magazine in Japan, Polen, Deutschland, Jugoslawien, Großbritannien.
3,5 Millionen Anwender.
1998
KDE-Projekt gestartet. KDE ist eine der grafischen Oberflächen unter Unix.
Etwa 10.000 Programmierer, 7,5 Millionen Anwender.
1999
Linux wird CHIP-Cebit-Highlight in der Kategorie Software.
Über 10 Millionen Anwender.
2000
Microsoft verwendet Quellcode von FreeBSD für Windows 2000.
Apple bekennt sich zur OpenSource-Bewegung und macht BSD zum wesentlichen Bestandteil von Mac OS 10 (http://www.apple.com/macosx).
Die erfolgreichste Suchmaschine http://www.google.de läuft nicht wie üblich auf Großrechnern, sondern auf 8000 handelsüblichen PCs mit Linux. Dieses Verfahren nennt man Clustering und wird auch z.B. zur Berechnung von Wetterdaten verwendet.
2001
Linux hat praktisch alle Hardware-Plattformen erobert. Vom Mainframe (das sind die Rechner, die nur einmal eingeschaltet werden) bis zum Handheld. Selbst in Videorecordern, Webcams und Steuergeräten ist Linux zu finden.

Pinguine

Das Maskottchen von Linux ist ein Pinguin und heißt "Tux"

Was ist muLinux?

muLinux (µLinux) ist eine voll konfigurierte, minimalistische, applikationsorientierte kleine Linux-Distribuntion von Michele Andreoli aus Italien.

Diese Linux-Distribution paßt auf eine 1,722 MByte formatierte Diskette (in Worten: EINE).

Auf einer zweiten Diskette ist die X-Window-Software gespeichert. Das ist die grafische Oberfläche von Unix. Weitere Disketten beinhalten zusätzliche Erweiterungen. Der Schwerpunkt dieser Schulung beruht aber auf der ersten Diskette.

Systemanforderungen

muLinux kann also schnell mal aus einem PC eine (minimalistische) Workstation machen.

Anwendungen wären:

Wer sich nicht scheut die wichtigsten textbasierten Befehle von Unix zu lernen, kann dies auf Grundlage von muLinux tun.

Für reine Mausschieber wird das sicherlich am Anfang sehr ungewöhnlich sein. Die Unix-Befehle sind aber sehr leistungsfähig und mit nur geringen Änderungen auf allen Unix-Plattformen anwendbar.

Hier kann man endlich mal Superuser sein!

 
Adressen deutscher muLinux-Mirror-Sites:

ftp://ftp.cs.tu-berlin.de/pub/linux/mulinux/mulinux.html

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